GW-Tierrettung

Heutzutage wird die Feuerwehr auch zu immer mehr Tiernotfällen gerufen. Die typische Katze auf dem Baum war gestern. Heute sind die Aufgaben vielfältiger, gar exotischer. Mal sind es entfleuchte Schlangen, Spinnen und Skorpione, mal ein ausgebüxtes Krokodil. Und dann kommt der Herbst mit vermehrt vorkommenden Wildunfällen. Viel zu tun für die Tierrettung.

Für solche Einsätze hat die Feuerwehr mittlerweile aufgerüstet. Dazu haben die Wehrleute in Eigenleistung einen ausrangierten Rettungswagen zu einem Gerätewagen-Tierrettung (GW-TR) umgebaut. Da die Beladung nicht genormt ist, richtet sie sich in erster Linie nach den jeweiligen örtlichen Anforderungen. In jedem Fall finden sich einige Transportkisten verschiedener Größen, Fang- und Greifwerkzeuge, Beruhigungsmittel, Halfter und Führstricke, Decken, etwas Futter und Verbands- und Logistikmaterial und die persönliche Schutzausrüstung, wie Wathosen und Beißschutzanzüge, darunter. Des Weiteren sind sog. Quarantäne-Boxen zur sicheren Aufbewahrung von hochinfektiösen Tierkadavern Teil der Ausrüstung. Auch eine ausziehbare Anlegeleiter und etwas Werkzeug, wie Schaufel und Besen, finden im und auf dem Fahrzeug Platz.

Seit vorletztem Jahr ist dazu ein ausrangierter Rettungswagen in Eigenleistung zunächst entkernt und anschließend mit neuem Mobiliar bedarfsgerecht geplant und ausgestattet worden. Durch einen zusätzlich geschaffenen Arbeitsbereich mit Behandlungstisch ist es im Inneren des Fahrzeugs möglich, schwer verletzte Tiere ggf. noch vor Ort notfallmedizinisch zu versorgen.

Außen wich das bei den Rettungsdienstfahrzeugen übliche weiß/rote Farbschema dem mittlerweile neu eingeführten Erscheinungsbild der Wehr mit seinen reflektierenden Diagonalstreifen. Besetzt wird das Fahrzeug 24/7 von den Feuerwehrangehörigen zusätzlich zu ihren Hauptaufgaben, wie abwehrender Brandschutz oder Rettungsdienst.

Die Idee für mein Modell lieferte mein langjähriger und geschätzter Modellbaukollege Prof. Dr. Harald Karutz, der vor einigen Jahren ein solches Fahrzeug für seine Modellfeuerwehr für seine Feuerwehr Thalburg zusammenbaute. Nun findet ein solches Fahrzeug den Weg nach Farnheim.

Dazu baute ich mir einen weiteren Rettungswagen nach vorhandenem Baumuster zusammen – nur eben in einem anderen Farbschema. Ein paar kleine Details, wie bspw. das Hochdach oberhalb der Kabine, unterscheiden dieses Fahrzeug von seinen Geschwistern aus dem Rettungsdienst. Es könnte somit durchaus auch ein anderer Aufbauhersteller dahinterstecken.

FLB 1 „OBrD Lübben“ (Feuerlöschboot) – Modernisierung

Als die Feuerwehr Farnheim 1994 das Feuerlöschboot „Oberbranddirektor Lübben“ in Dienst stellte, war es das modernste und größte Boot seiner Art in Europa. Die knapp 30 vergangenen Dienstjahre im Wasser gingen allerdings nicht spurlos an der „OBrD Lübben“ vorüber. Es herrschte also akuter Handlungsbedarf.

Da mittlerweile die Stadtkassen nicht mehr so üppig gefüllt sind wie damals, hatte man sich frühzeitig mit sämtlichen Verantwortlichen zusammengesetzt und verschiedenste Möglichkeiten für das größte und wichtigste Löschboot in Farnheim, die „Oberbranddirektor Lübben“, erörtert. Man entschied sich letztlich für eine umfassende Modernisierung und gegen einen Neubau, weil diese von den Stadtkämmerern und Wirtschaftsprüfern als die wirtschaftlichste und nachhaltigste Lösung erachtet wurde. So verbrachte das Löschboot die letzten rund 15 Monate in den NOVIS Schiffswerften in Farnheim und zuletzt bei Lütjens & Heyn am Ausrüstungskai.

Die Modernisierung umfasst den Um- und Einbau modernster Navigations- und Kommunikationstechnik. Auch wurde der komplette Antrieb (Motoren, Wellen, Schrauben) generalüberholt. Die größte Herausforderung war allerdings das Einsetzen einer neuen rund 9 Meter langen Rumpfsektion. Damit konnte der nutzbare Raum an und unter Deck erheblich vergrößert werden. Das bedeutete aber auch, dass die Antriebswellen, Kabelstränge und sonstige Zuleitungen für Löschmittel, Hydraulik etc. erneuert, verlängert bzw. umgelegt werden mussten. Auch die Ballast-, Löschmittel- und Dieseltanks waren von der Verlängerung betroffen. Der so gewonnene Platz konnte allerdings für neue Decksaufbauten genutzt werden. Zum Beispiel wurde ein Behandlungsraum eingerichtet, der auf notfallmedizinische Fälle ausgerichtet ist. Ferner konnte die komplette feuerwehrtechnische Beladung eines HLFs nach DIN in einem weiteren Lagerraum verstaut werden. Auf dem Achterdeck war nun Platz für ein Beiboot und einen 2-Tonnen-Hebekran. Zudem wurden auch die löschtechnischen Einrichtungen leistungsgesteigert modernisiert. Vier Feuerlöschpumpen stellen insgesamt bis zu 120.000 L Wasser/Minute zur Verfügung. Die Wurfweiten betragen, je nach Monitor-Typ, rund 120 oder 150 Meter. Natürlich sind sämtliche Löscheinrichtungen seewasserfähig. Der eingebaute Schaummitteltank fasst nun mit 15.000 L ein Drittel mehr.

Bereits Ende April dieses Jahres wurde das Löschboot wieder der Farnheim Port Authority (FHPA) übergeben und folglich in den Einsatzdienst gestellt. Ihre erste Bewährungsprobe hatte die „OBrD Lübben“ schon im Juni, als auf einem Containerschiff ein Feuer ausbrach.

In der Motivationsphase als ich „Jade“, „Stadtbrandmeister Vincke“ und ein Lotsenboot (das folgt mal zu einem späteren Zeitpunkt) baute – angefixt durch den sensationellen Youtube-Kanal „HamburgHafenLive“ – überarbeitete ich auch meinen Erstling, das große Löschboot. Eigentlich ist es viel mehr als eine bloße Überarbeitung geworden, denn es sollte gleichzeitig mehr „Branddirektor Westphal“-Vibes bekommen, und das ging nur mit der bereits oben beschriebenen Rumpfverlängerung. Die Decksaufbauten, die im vorderen Bereich sechs Noppen breit sind verjüngen sich, bedingt durch die seitlichen Monitortürme, nach hinten hin auf vier Noppen. Damit verbleibt am Engpass der Turmaufbauten eine Noppe für den Durchgang an Deck. Die Deckaufbauten sind eigentlich eine vollständige Neukonstruktion. Brücke, der Platz für die Monitorsteuerung sowie der Schornstein entstanden neu. Dabei musste auch die angesprochene Verjüngung der Decksaufbauten berücksichtigt werden. Dies gelang durch die Verwendung von Eingangstüren, da sie im geschlossenen Zustand einen passenden, diagonalen Übergang von 6 auf 4 Steinebreiten schaffen.

Das abschließende Finishing ergänzt das fertige Modell um etwas „Gebreeble“ wie Antennen, Radare, Scheinwerfer, Positionslichter, Typhon etc.

50 Jahre Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen

Viele von Euch werden sich sicher nicht erinnern können – so auch ich nicht. Aber heute auf den Tag jährt sich die Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen zum 50sten Mal. Sie gilt bis dato als die größte Naturbrandkatastrophe in der Geschichte der Bundesrepublik. Am Ende forderte sie insgesamt 7 Menschenleben, 82 z.T. schwerst Verletzte, hinterließ tausende verendete Wildtiere und 13.000 Hektar verbrannte Erde.

Wie alles begann
Gegen frühen Nachmittag des 08. August 1975 geriet, nahe der Ortschaft Stüde, nordöstlich von Gifhorn, ein Feuer außer Kontrolle, das sich rasch ausbreitete und im weiteren Verlauf den Elbe-Seitenkanal westwärts übersprang. In der Folge waren die damals eingesetzten Einheiten schnell mit der sich bietenden Situation überfordert. In den Anfangfangstagen entwickelten sich fast zeitgleich in der Lüneburger Heide fünf Flächenbrände zu ausgewachsenen Großfeuern.

Die Tragödie
Am übernächsten Tag war ein Löschzug aus einigen Kräften damit beauftragt, einen Brandherd, der sich anschickte, die Ortschaft Meinersen zu bedrohen, östlich davon an der B 188 zu bekämpfen. Nachdem das Feuer kurz vor der Ortschaft schließlich gestoppt werden konnte, drehte urplötzlich der Wind, frischte rasant auf, und aus den Flammen wurde in Sekundenschnelle eine tobende Feuersbrunst. Den fünf Wehrleuten aus Fallersleben (heute ein Stadtteil Wolfsburgs) und Hohenhameln, die mit einem Tanklöschfahrzeug im Wald Stellung nahmen, um einige Brandnester abzulöschen, schnitt die Flammenwand in buchstäblicher Windeseile sämtliche Fluchtwege ab, und sie kamen in der Folge dabei ums Leben. Auch ein herbeigeeilter Aluette-Hubschrauber konnte den Eingeschlossenen nicht helfen, da er über keine Rettungswinde verfügte.

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Ein Modell erinnert an den Tag
Diese Tragödie war auch die folgenschwerste während der gesamten Waldbrandkatastrophe. Das nachfolgende kleine Diorama zeigt genau jene Situation, wie sie sich gg. Mittag, kurz bevor sich der Wind folgenschwer drehte, bei Meinersen zugetragen haben soll: Die Kameraden waren gerade dabei einige Feuer, die die Ortschaft bedrohten, im Unterholz abzulöschen. Auf der Landstraße stand der Rest des alarmierten Zuges im Bereitstellungsraum oder begann selbst mit Löschmaßnahmen von der Straßenseite aus. Die Lage erschien zunächst unter Kontrolle. Ein Trugschluss.

Ein kleines Diorama im Maßstab 1:87 zum 40. Jahrestag inspirierte mich, diese Situation zehn Jahre später aus LEGO® darzustellen. Was also lag näher, die Fahrzeuge auch in meinem bevorzugten Maßstab zu bauen? Auf einer Fläche von ca. 25 x 50 cm (zwei 32er Baseplates) entstand schließlich der nachfolgende kleine Ausschnitt im Modell.

Zugegebenermaßen, reale Größenverhältnisse hätten den Präsentationsrahmen gesprengt. Somit zeige ich nur einen kurzen Teil der Bundesstraße, an der exemplarisch zwei der alarmierten Fahrzeuge stehen sowie den von der Landstraße abgehenden Waldweg und die Stelle, an der sich ein Tanklöschfahrzeug (TLF 8) zum oben beschriebenen Zeitraum an der Einsatzstelle „Leiferder Weg“ befand. In Wirklichkeit liegt die Unglücksstelle rund 500 Meter tief im Wald, also erheblich tiefer, als hier dargestellt. Somit herrschte auch kein Sichtkontakt mit den Kräften, die an der Straße eingesetzt waren.

Genau diesen fehlenden Sichtkontakt wollte ich, wegen der kurzen Distanz im Modell, über einen üppigen Bewuchs am Straßenrand erreichen. Was durchaus funktioniert, wenn man sich als Betrachter auf Augenhöhe der Minifigs begibt. Jede von ihnen ist mit einer Aufgabe betreut: eine Figur kümmert sich um die Wasserversorgung, der Maschinist überwacht den Betrieb der Pumpe Im Heck des TLF 8 im Wald und an der Straße macht man sich indes für Löschmaßnahmen bereit, während der Zugführer die zuständige Leitstelle zu erreichen versucht.

Die Idee zu einem Modell kam mir bereits 2023. Es folgten Recherche, Planung und Teilebeschaffung. Als Erstes baute ich ein paar zeitgenössische Fahrzeuge. Vor allem solche, die sich damals auch an der Einsatzstelle befunden hatten:

  • LF 16-TS (ZS), Magirus-Deutz F 115 D 10 A, (unbekannte Herkunft)
  • TLF 8/8 (ZS), Mercedes-Benz U 404 S, FF Wolfenbüttel
  • KdoW (ZS), DKW Munga, (unbekannte Herkunft)

Das Unglücksfahrzeug
Das betroffene Fahrzeug war in der sog. „Frankfurter Lackierung“ hergerichtet. D. h. mit weißem Kabinenoberteil und hinteren weiß abgesetzten Fahrzeugecken mit durchzogenen roten Diagonalstreifen. Somit habe ich mir aber erlaubt, aus Klebefolie die vorbildgerechten Streifen aus Klebefolie anzubringen. Das TLF 8 war auch das erste Fahrzeug, das lange vor der Landschaftsgestaltung fertig wurde und erhielt mit der Zeit noch einige kleine Detailverbesserungen. Selbst noch, als die meisten Dioramafotos bereits im Kasten waren. Über die Zeit sammelte ich benötigte Vegetationselemente zusammen, damit daraus auch ein entsprechend bewachsener Waldabschnitt aus hohen Kiefern und einiges an Unterholz entstehen konnte. Situationsgemäß ist auch ein Bereich des Waldes verbrannt und der Erdboden raucht hier und da noch ein wenig nach. Die Hitze steckt also noch in Gehölz und Böden. Und mittendrin die Wehrleute, die um das Fahrzeug herum vereinzelte Bodenfeuer bekämpfen.

Warum die Heide brannte
Zur Erinnerung: In jenen zehn Tagen im August brannte es im südöstlichen Niedersachsen (genauer gesagt in den Landkreisen Celle, Gifhorn und Lüchow-Dannenberg) an rund 300 Stellen, und die Feuer hinterließen am Ende insgesamt rund 13.000 Hektar verbrannter Wald-, Moor- und Nutzflächen. Zur Katastrophe kam es, weil zum einen die vorausgegangenen Witterungsbedingungen mit heißen Tagen und tropischen Nächten, in denen das Thermometer nicht unter die 20-Grad-Marke fiel und alles Land verdorrte. Zum anderen lag, seitdem der Orkan „Quimburga“ im November 1972 weite Strecken des Landes verwüstete, noch jede Menge altes Sturmholz und vertrocknetes Geäst in den Wäldern, das noch nicht beseitigt worden war. Zudem galt die vorherrschende Kiefer, als bevorzugte Vegetationsart, als eine obendrein besonders brandgefährdete Nadelholzart. Die Gesamtbedingungen für ein solches Feuer waren also überaus ideal. Hinzu kamen während des Einsatzes Kompetenzgerangel in den Führungsebenen der Feuerwehren, organisatorisches Chaos vor Ort, schlechte Kommunikation und Ausrüstung und eine beträchtliche Fehleinschätzung der Gesamtsituation vor allem in den Anfangstagen. Darüber hinaus lösten fahrlässige und tw. gar vorsätzliche Brandstiftung sowie der Funkenflug eines Heißläufers an einem Zugwaggon andernorts weitere verheerende, teils großflächige Brände aus. Erst als der damalige Lüneburger Regierungspräsident Hans-Reiner Frede am Abend des 10. August den Katastrophenfall ausrief, rollte die dringend benötigte Unterstützung aus dem gesamten Bundesgebiet an.

Zahlen mit vielen Nullen
Am Ende waren ingesamt rund 20.000 Einsatzsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, THW, den Rettungsdiensten und sonstigen Hilfs- und Katastrophenschutzorganisationen, dem Bundesgrenzschutz aus dem gesamten Bundesgebiet sowie weitere 11.000 Soldaten mit 360 Panzerfahrzeugen der Bundeswehr in jenen Tagen im August ’75 im Einsatz und evakuierten vorübergehend, neben den Löschmaßnahmen, rund 3.000 Menschen aus akut gefährdeten Ortschaften.

Die Lehren daraus
In den Jahren und Jahrzehnten danach wurde auf allen Ebenen viel aufgearbeitet, um eine solche Katastrophe nicht noch einmal geschehen zu lassen. So installierte man an verschiedenen Stellen im Waldboden unterirdische Tanks mit mehreren zehntausenden Liter Wasser als Zapfstellen für Löschfahrzeuge, setzte bei der Neuaufforstung mancherorts auf brandresistentere Mischwälder. Außerdem stattete man u. a. die Feuerwehren in der Folge mit allradgetriebenen Tanklöschfahrzeugen aus. Aus diesen Fahrzeugen entstand schon bald das speziell auf Vegetationsbrände ausgelegte Waldbrand-TLF (TLF 8-W), das bis 2002 in der technischen Weisung Nr. 3 des Landes Niedersachsens fixiert und damit seine Anschaffung förderungsfähig war. Zur besonderen Ausstattung gehörte auch eine Dachluke für die Löschmittelabgabe aus dem Fahrzeug heraus.

Südlich der Landstraße (B 188) erinnert heute ein Gedenkstein an die ums Leben gekommenen Feuerwehrkameraden.

Original und Modell
Das Unglücksfahrzeug, das damals der FF Fallersleben angehörte, war ein Borgward B 522 A/O (Allrad, Otto-Motor), Bj. 1960 mit einem Aufbau von Metz, Karlsruhe in der Funktion eines TLF 8 mit einem Wassertankvolumen von 1.600 Litern und einer Feuerlöschkreiselpumpe, die pro Minute bis zu 800 L bei einem Druck von 8 Bar förderte.

Der alarmierte Zug bestand aus weit mehr Fahrzeugen, deren Herkunft sich allerdings nicht mehr vollumfänglich rekonstruieren ließ:

  • LF 8, Mercedes-Benz L319, FF Fallersleben
  • MTF, VW Bulli T2 (unbekannte Herkunft)
  • TLF 8, Borgward B 522 A/0, FF Neudorf-Platendorf (Bj. 1961)
  • TLF 8/24, Mercedes-Benz LP 811, FF Lengede
  • TLF 16, Magirus-Deutz, FF Velpke
  • TLF 16-T, Magirus-Deutz 150 D 10 FA, FF Helmstedt
  • TLF 16/25, MB 1133 LAF, FF Hohenhameln

TLF 8 (FF Fallersleben)

Ein bisschen Geschichte vorweg. Das TLF 8 auf einem Borgward-Fahrgestell war vor allem in Niedersachsen weit verbreitet. Großen Waldbestände und weitläufige Heideflächen des Bundeslandes machten leichte, wendige allradangetriebe Fahrzeuge notwendig, die vom Innenministerium zudem noch subventioniert wurden. Mit bis zu 1.800 Litern hatten Sie für genug Wasser für einen ersten Löschangriff an Bord und konnten gegenüber den größeren TLF 16-T noch mit dem alten PKW-Führerschein der Klasse bewegt werden.

Auch hatte die Gemeinde Fallersleben 1960 für ihre Feuerwehr ein solches TLF 8 auf einem Borgward 522 A/O beschafft. Der feuerwehrtechnische Auf- und Ausbau erfolgte durch die Fa. Carl Metz in Karlsruhe und umfasste eine kompakte Baubauweise mit einem 1.600 L fassenden Löschwassertank und einer im Heck verbauten Feuerlöschkreiselpumpe 8/8, die 800 L Wasser pro Minute bei 8 Bar Druck fördern konnte.

Dieses Fahrzeug war in mehrerer Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen erhielt es einen Aufbau des Geräteherstellers Carl Metz, Karlsruhe, von dem man dort nur eine Handvoll produzierte (andere Aufbauhersteller hatten bedeutend größere Stückzahlen vorzuweisen). Zum anderen war es tagesleuchtrot mit weiß abgesetzten Ecken und roten Diagonalstreifen lackiert und erinnerte somit an das damals gültige Frankfurter Farbschema. Diese Kombination mit dem Leuchtrot hatte zu dem Zeitpunkt aber noch nicht einmal die Feuerwehr Frankfurt a. M. selbst zu bieten.

Randnotiz: Fallersleben übrigens war eine Stadt im Landkreis Gifhorn und wurde 1972 in Zuge der Gebietsreform durch das sog. „Wolfsburg-Gesetz“ in die gleichnamige Stadt eingemeindet. Durch diese und weitere Eingliederungen übersprang die Einwohnerzahl die 100.000er-Schwelle und Wolfsburg erlangte dadurch den Status zur Großstadt mit bis zu 131.000 Einwohnern in Summe. Die Stadtfläche vergrößerte sich damit von 25 auf 204 qkm um mehr als das Achtfache. Auf einem älteren Foto trägt das Fahrzeug übrigens noch ein Gifhorner (GF), später dann ein Wolfsburger Kennzeichen (WOB).

Sein jähes Ende fand es am 10.08.1975, während der Waldbrände in der Lüneburger Heide, als eine Feuerwalze unvermittelt über das Fahrzeug rollte und alle Fluchtmöglichkeiten nahm. Dabei kamen fünf Feuerwehrleute bei einem Einsatz in der Nähe von Meinersen, drei von ihnen aus Fallersleben bei Meinersen, auf tragische Art und Weise ums Leben. Das Fahrzeug brannte dabei vollständig aus.

Für ein Waldbrand-Diorama anlässlich des 50. Jahrestages der Geschehnisse baute ich auch dieses Fahrzeug, das zuallererst schon lange, bevor der erste „Spatenstich“ zum Diorama erfolgte, fertig war. Na ja, fertig nicht so ganz, denn die letzte modellbauerische Revision erhielt es kürzlich, als sämtliche Diorama-Fotos bereits im Kasten waren. Das, was auf den nachfolgenden Fotos zu sehen ist, ist der derzeitige und aktuelle Stand der Dinge.

Da das Tagesleuchtrot, ohne Bauteile lackieren zu müssen, nicht darstellbar war, habe zumindest die weiß abgesetzten Karosserieteile berücksichtigt sowie Stoßfänger und hintere Aufbauecken mit roten Diagonalstreifen versehen – ganz so beim Vorbild.

Bautechnisch ist auch dieser Aufbau wieder mit gestürzten Cupboards versehen worden. Die Dachbeladung orientiert ebenfalls am Original – zumindest, soweit dies möglich war. In der letzten Überarbeitung erhielt das hier abgebildete Fahrgestell. Daran lassen sich, neben dem Antriebsstrang auch weitere Anbauten, wie Tank, Abgasanlage und Pumpenabgänge hinter der Hinterachse erkennen.

Bei der Bereifung kamen mir die Steckfelgen aus der Formel-1-Sammelserie gelegen. Die Rückseite dieses neuen Bauteils bot eine schöne Struktur für ein solches Fahrzeug. Die Bereifung besteht übrigens aus zwei übereinanderliegenden Nierderquerschnittreifen: https://www.bricklink.com/v2/catalog/catalogitem.page?P=50945&idColor=11#T=C&C=11

Fukow des LSHD (Luftschutzhilfsdienst)

Als Nachfolger für den Kübelwagen aus dem Zweiten Weltkrieg schickte die Auto Union in Ingolstadt den DKW Munga (kurz für Mehrzweck-Universal-Geländewagen mit Allradantrieb) ins Rennen. Nachdem man dieses gegen die Konkurrenz von Goliath und Porsche gewonnen hatte, wurden zwischen Oktober 1956 und Dezember 1968 über 45.000 dieser allradgetriebenen Geländewagen gebaut. Außerdem produzierte man eine große Anzahl an Teilesätzen, also total zerlegten Fahrzeug-Bausätzen (CKD – completely knocked down) sozusagen.

1953 bewarb sich die Auto Union um den legitimen Nachfolger des alten VW Kübelwagens. Noch im September desselben Jahres stand der erste Prototyp auf eigenen Rädern. Im Verlaufe der Entwicklung und am Ende des Vergabeprozesses durch den Bund, erteilte der damalige Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß den Auftrag damals der Auto Union.

Neben der Bundeswehr als Hauptkunden fertigte der Bund auch Behördenversionen u. a. für das Technische Hilfswerk und den Luftschutz-Hilfsdienst (LSHD). Als Funkkommandowagen fand er ab 1971 Einzug in die Katastrophenabwehr der Feuerwehr, nachdem ab 1968 der LSHD rechtlich aufgelöst wurde.

In der verlängerten Version für 6 Personen, die ab 1962 zur Verfügung stand, beschaffte der Bund für die Führungsdienste des LSHD insgesamt 432 Mungas in der Ausführung eines sog. Fukows (kurz für Funkkommandowagens). Zu seinen Aufgaben gehörten die Lageerkundung und, soweit möglich, die Rettung von Menschen, Tieren und Sachwerten. Nach der Auflösung des Lutzschutz-Hilfsdienstes verblieben die Mungas im neu gegliederten Katastrophenschutz oder wechselten als in neuer Funktion als ELWs oder KdoWs zu vielen Freiwilligen Feuerwehren.

Über die Zeit betrachtet standen dem Munga sicher ein zu hohes Eigengewicht (über 1,2 Tonnen), der leistungsarme 3-Zylinder-2-Takt-Motor von anfänglich 38 zu später 44 PS und die geringe Zuladung für den ganz großen Wurf im Weg, dennoch war er bis zum Nachfolger des VW Iltis ein zuverlässiger und beliebter Begleiter bei Behörden und Sammler – Letzteres bis heute.

Natürlich gehört auf mein Waldbrand-Diorama auch ein Munga aus jener Zeitepoche. Freund und Mitstreiter Thomas52xxx hat seinerseits vor einigen Jahren ein Exemplar in 4wide gebaut. Nachdem ich tagelang über die beim Original sehr spezielle Frontgestaltung und wie sie sich baulich umsetzen ließe nachgedacht und dabei Verschiedentliches ausprobierte hatte, griff ich schließlich auf seine Version zurück, aber nicht ohne sie in Nuancen zu modifizieren. Wie beim Original gibt auch bei meinem Modell keine Türen, dafür ein seitlich mitgeführtes Reserverad, eine Korb-Antenne am Heck und ein entsprechendes Planenverdeck. Um noch näher am Original zu sein, müsste das Verdeck olivfarben daherkommen.

LF 16-TS (Bund)

In die Zeit des TLF 8 auf einem Unimog 404 S fällt auch das nachfolgende Fahrzeug. Ebenso, wie der Unimog, ist es eine Typ-Variante eines genormten Löschgruppenfahrzeugs, die speziell durch den Bund beschafft und für den Zweck des Katastrophenschutzes hergestellt wurde. Das Fahrzeug verfügt über keinen Wassertank, dafür befindet sich im Heck eine eingeschobene Tragkraftspritze 8/8 und eine fest eingebaute Feuerlöschkreiselpumpe mit einer Nennleistung von 2.400L/Min.

Als in den 1950er Jahren der Ausbau des zivilen Luftschutzes vorangetrieben wurde, begann man mit der Entwicklung von Löschfahrzeugtypen, bei denen der Aufbau der Einfacheit halber schnell vom Fahrgestell gelöst und umgesetzt werden konnte. Die Erkenntnisse aus dem Zweiten Weltkrieg hatten gezeigt, dass vielerorts Feuerwehrfahrzeuge nicht immer vollständig zerstört waren. Manches Mal ließ sich das Fahrerhaus oder der Aufbau retten. Der Vater des Gedanken also war, dass der Aufbau eines solchen LF 16-TS bspw. schnell auf ein anderes Fahrgestell montiert werden konnte. Ebenso aber auch hätte sich aus diesem LF auch ein TLF 16 oder ein Schlauchwagen machen lassen – vorausgesetzt es war ein passender tauschbarer Aufbau vorhanden. Glücklicherweise musste diese Idee nie Anwendung finden. Und so behielten die Fahrzeuge alle ihre Aufbauten.

Das LF 16-TS auf einem Magirus-Deutz „Merkur“ FM 125 D 10 mit „Bund-Einheitsfahrgestell“ und Allradantrieb mit einer Nutzlast von 4,5 Tonnen war das gebräuchlichste Fahrzeug innerhalb der speziell für den Katastrophenschutz gebauten Fahrzeugflotte. Aufgrund seiner feuerwehrtechnischen Beladung wurde es zumeist für die Wasserversorgung an Einsatzstellen im Hintergrund tätig. Denn mit seiner leistungsgesteigerten Fahrzeugpumpe gegenüber einer herkömmlichen FP 16/8, der zusätzlichen Tragkraftspitze und 600 Meter B-Druckschläuchen war es für die Löschwasserversorgung an Einsatzstellen geradezu prädestiniert.

Die Beladung umfasste, neben Gerätschaften zur Wasserversorgung, auch solche zur Brandbekämpfung und umfangreiches Sanitätsmaterial. Auch war es im Katastrophenschutz eines der wenigen Fahrzeuge, das umluftunabhängige Atemschutzgeräte an Bord hatte.

Gebaut wurden diese robusten Fahrzeuge von etwa Ende der 1950er Jahre bis etwa 1971, als die Produktion der Magirus Eckhauber endete. Tw. waren sie aber bis in die 90er Jahre hinein bei den Feuerwehren im Dienst, ehe sie von ihren Nachfolgern abgelöst wurden.

Da mich in den vergangenen gut eineinhalb Jahren die Planungen eines kleinen Dioramas änlässlich des 50. Jahrestags der Waldbrände in Niedersachsen beschäftigten, sind drumherum auch einige historische Fahrzeugmodelle entstanden. Eines davon ist dieses LF 16-TS. Den Rohbau eines anderen „Eckhaubers“ musste ich dafür allerdings zerlegen, der aber zu einem anderen Zeitpunkt neu aufgelegt wird.

Kniffelig war erneut einmal mehr die Aufbaugestaltung, denn, neben der 5er Breite, weist diese erneut einige Baurichtungswechsel auf; während die Gruppenkabine (hinter dem Fahrerhaus) noch herkömmlich hochgezogen wurde, ist die hintere Hälfte des Aufbaus, mitsamt Cupboards, gestürzt montiert. Zu allem Überfluss ist auch noch die Hecktür auf dem Kopf stehend verbaut. Dennoch ist das Fahrzeug in seiner Gesamtstruktur recht stabil, dank der noch immer recht jungen 1 x 5 Platten. Standesgemäß für diese Zeit bekam das Modell auch schwarze Kotflügel, und die (weitestgehend) bundtypische Dachbeladung mit der klassischen Holzschiebeleiter und dem Reserverad. Nun, für die vierteilige Steckleiter und die Saugschlauche waren dann doch kein Platz mehr vorhanden. Kleinere Details am Fahrgestell und der Kabine, wie die Dachluke und angedeutete Türgriffe, runden das Modell schließlich ab.

AL 18 der FF Sandergast

Die Anhängeleiter, die die Feuerwehr Sandergast seit 1979 in ihren Reihen stehen hat, soll wohl im kommenden Jahr endgültig ausgemustert werden. Verdient hätte sie es. Zumal es seit 1998 bereits eine vollautomatisierte Drehleiter auf der Insel gibt – seit 2019 auch mit Rettungskorb. Zwar kamen in der Vergangenheit hin und wieder bei größeren Ereignissen beide Leitern zum Einsatz, wohl auch deshalb hielt man hier derart lange an der Anhängerleiter fest.

Zwar wurde die AL, die übrigens eine Steighöhe von 18 Metern ausweist, gehegt und gepflegt, dennoch hat sie in der rauen Nordseeluft über die Jahre und Jahrzehnte tüchtig Patina angesetzt – der Lack ist matt, hier und da Flugrost tw. übermalt, aber technisch funktionstüchtig und, vor allem, sicher. Noch wird das gute Stück gezogen vom Rüstwagen.

Eine Anhängeleiter wollte ich übrigens immer schon mal bauen. Allerdings bot meine Feuerwehr Farnheim dafür nicht den Anlass – mein erweitertes Universum aber schon. Bei meiner Recherche nach entsprechenden Umsetzungen aus LEGO® stieß ich auf einige durchaus detailreiche Exemplare anderer Modellbauer. Als Ideengeber wären sie sicher geeignet, aber allesamt zu groß für meinen Maßstab. Also mussten mir Vorbildfotos entsprechende stilistische Dinge aufzeigen helfen, zu erkennen, wie ein solcher Anhänger konstruiert ist und was bei solch einem Gerät wichtig ist zu zeigen. Was sich anhand der Vorbildfotos rasch zeigte war, dass die Leiter im angekoppelten Zustand niedriger ist, als abgestellt. Das liegt daran, dass die Deichsel an einem Leiterende angebracht ist. Ein konstruktives Merkmal, das ich unbedingt auch in der modellhaften Umsetzung darstellen wollte. Und so nahm dies auch den größten Zeitraum bei der Tüftelei ein. Es ist zwar keine bautechnische Meisterleistung, jedoch dem Realismus dienlich. Und überhaupt beschränken die detaillierten Ausprägungen an diesem kleinen Modell eher auf ein zusätzliches Kennzeichen am Heck und einem kleinen Abstützungssystem.

TSF-W der FF Sandergast

2022 kam als Ersatz für ein altes TSF aus dem Jahr 1994 dieses Tragkraftspritzenfahrzeug auf die Insel. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger verfügt es über einen 600 L Wassertank (daher der Zusatz W) und bietet somit die Möglichkeit einen ersten Löschangriff zu starten, noch bevor die Wasserversorgung für das Fahrzeug hergestellt ist. Als Zusatzbeladung ist ein Gerätesatz Sturm, bestehend aus Motorsäge, Schnittschutzhose, Arbeitshelm, Sicherheitsleinen, -gurte und Geschirr sowie eine Reservekette und einen Kanister Kraftstoffgemisch für die Motorsäge auf dem Fahrzeug verlastet.

Das TSF-W ist bei kleineren Einsätzen das Fahrzeug der Wahl, da sich mit ihm Kleinbrände und kleinere technische Hilfeleistungen gut abarbeiten lassen.

Dieses Modell ist mir mittlerweile zu einem „häufigen“ Fahrzeugtypen geworden. Häufig ist zwar relativ, aber gemessen an den Modellen gleichartiger Fahrzeuge, kann man hierbei schon von „häufig“ im Sinne von beliebt sprechen. Insofern unterscheidet es bautechnisch nicht von seinem Schwesterfahrzeug, dem VLF der Betriebsfeuerwehr Jade Messe AG – von einigen Details einmal abgesehen. Durchaus lässt sich auch das TSF-W der Jugendfeuerwehr aus Farnheim dazu zählen. Wenngleich es anders gebaut wurde, aber im einsatzbezogenen Kern das Gleiche ist.

RW 1 der FF Sandergast

Seit 2017 hat auch die Freiwillige Feuerwehr Sandergast ein ehemaliges Fahrzeug aus Farnheim in ihren Reihen. Ein Rüstwagen, der ursprünglich aus einer Beschaffungsserie über insgesamt fünf Stück für die Berufsfeuerwehr Farnheim aus dem Jahr 1989 stammt.

Als nach und nach die Rüstwagen bei der Berufsfeuerwehr ausgemustert wurden und ihre technischen Aufgaben durch die mittlerweile beschafften Farnheimer Löschfahrzeuge genauso gut erledigt werden konnten, setzten sich die Inselgemeinde, bestehend aus Bürgermeister, Finanzkämmerer und Wehrleiter, mit der Abteilung Technik der Berufsfeuerwehr Farnheim zusammen, um über die Übernahme eines der alten UniMOC-Rüstwagen zu verhandeln. Heraus kam am Ende ein von Grund auf saniertes und instandgesetztes Fahrzeug, das für zahlreiche weitere Dienstjahre bereit war – und eine erheblich günstigere Anschaffung darstellte als die Beauftragung eines Neufahrzeugs. Zumal die Einsätze für die technische Hilfeleistung auf Sanderoog insgesamt überschaubar sind. Deshalb hat man die ursprüngliche Beladung des Fahrzeugs überdacht und sie an die besonderen Bedürfnisse auf der Insel angepasst. Es wurden umfangreiche Materialien zur Gefahrguterkennung, -identifizierung und -beseitigung verlastet sowie zusätzliches Werkzeug für die Beseitigung von Sturmschäden. Überdies erhielt das Fahrzeug eine spezielle Sandbereifung, um das Einsinken auf z. B. Sand zu verhindern und den Vortrieb zu gewährleisten. Zugleich ist es Zugfahrzeug für die Anhänger im Fuhrpark.

Ich betrieb hierbei sog. „Fahrzeug-Recycling“. Ein mittlerweile 10 Jahre altes Rüstwagen-Modell bekam hierfür die Chance auf eine optische Aufwertung. Die Kabine blieb zwar im Wesentlichen erhalten, allerdings verpasste ich dem Aufbau ein kräftiges „Make-over“. So sind die Gerätefächer nun auf demselben Höhenniveau, und das Heck versah ich mit einer Diagonal-Schraffierung sowie einer Jalousie-Attrappe. Das Fahrgestell selbst erhielt einige zusätzliche Details, wie kleine Gerätefächer und einen Antriebsstrang. Dabei schrumpfte sogar der Radstand um eine Noppe. Die Dachladung wurde den Inselbedürfnissen mittels eines Reservereifens angepasst. Und zu guter Letzt erstrahlt das fertige Modell selbstverständlich auch in demselben Farbkleid wie die anderen Sanderooger – von wegen Einhaltung des Corporate Designs und so.

Die Kontorhäuser in Farnheim

Es gibt seit Längerem mal wieder etwas Lesestoff über die Stadt Farnheim. Diesmal geht es um die Kontorhäuser der Stadt. Noch heute lassen sich dort zahlreiche dieser historischen Bauten entdecken. Die Gebäude, die den Zweiten Weltkrieg überstanden, sind heute aufwendig sanierte, sehenswerte Gewerbeobjekte, die, trotz oder gerade wegen ihres antiken Charms, vielfältig genutzt werden: als Büroflächen oder Wohnraum, als Einzelhandel oder Gastronomie.

Die allermeisten von ihnen stehen auf der vorgelagerten Insel, auf der sich die heutige Innenstadt befindet. Rückblick: Inmitten der Industrialisierung gelangte zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch ein völlig neuer Bautrend nach Europa: die Skelettbauweise aus Stahl und Beton. Dank ihr ließen sich fortan Gebäude bei gleichem Grundflächenbedarf mit wesentlich mehr Geschossebenen errichten. Außerdem ließ die neuartige Bauweise eine modulare Nutzung der Räumlichkeiten im Inneren zu, da es keinerlei tragenden Wände mehr bedurfte. Das bot den Vorteil, dass Raumgrößen besser auf die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Mieter abgestimmt werden konnten.

Kontorhäuser wurden ursprünglich stets als reine Bürogebäude angelegt, die als sog. „Industriehäuser“ solche von den eigentlichen Wohnhäusern trennten. Erst etwas später, während der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren, baute man leerstehende Kontorhäuser auch zu Wohnhäusern, den sog. „Mietfabriken“, um. Die heute noch vorzufindenden Kontorhäuser stehen mehrheitlich unter Denkmalschutz, und man sorgt für ihren Erhalt. Welche Häuser im Einzelnen wo in Farnheim stehen und wie sie heißen, lässt sich im nachfolgenden Überblick über die wichtigsten Kontorhäuser in der Jadestadt erfahren.

Der Burckardhof wurde in der Zeit von 1921 bis 1922 erbaut. Benannt wurde er nach dem Gründer der Farnheimer Kaufmanns-Dynastie Otto Burckard (1819-1879). Noch heute ist das Haus in Familienbesitz, das seit 1971 unter Denkmalschutz steht. Dort ist auch der Sitz der Sven Burckard Ship Management GmbH & Co. KG. Nach Otto Burckard ist auch der Burckard-Kai im Hafen benannt.

Das Cottaer-Haus, am Ende der Straße Zollamtsbogen gelegen, wurde 1908 auf dem Areal der alten Knabenschule errichtet und nach dessen ehemaligen Leiter Carl Theodor August Cottaer (1842-1887) benannt, der bei den großen Bränden 1887, bei dem Versuch seine Schüler vor den Flammen in Sicherheit zu bringen, ums Leben kam.

Das Deutschlandhaus am Umschlag 1 wurde zwischen 1927 und 1928 im Auftrag des Kaufmanns Otto Schmoock (1882-1973) durch den Architekten Carl-August Loth (1877-1945) erbaut. Die fließenden, geschwungenen Linien der Fassade und die Rundungen der Gebäudeecken erinnern an den Zeitgeist der 1920er Jahre. Bis heute wird der Komplex, der in Skelettbauweise entstand, vollständig als Bürohaus genutzt.

In den Jahren 1927 und 1928 wurden die Mühlenhöfe am südlichen Ende des Borchertrings errichtet und sind als Denkmal eingetragen. Benannt wurde der Gebäudekomplex nach dem Reeder Oscar Mühlen (1885-1944). Die Höfe sind, wie der Name es vermuten lässt, ein Gebäudeensemble aus insgesamt drei Objekten, die vom Borchertring in die Helenenstraße münden. Das erste Haus auf dem Borchertring wurde zwar als Kontorhaus für den Auftraggeber erbaut, jedoch nutzte Oscar Mühlens Unternehmung nur die ersten beiden Etagen. Die übrigen Räumlichkeiten wurden, wie auch die der beiden anderen Gebäude, an andere Firmen vermietet. 1924 waren an dieser Adresse bereits 36 Unternehmen gemeldet. Bei einem Brand im dritten Gebäudesegment im September 1973 ging der historische Dachstuhl mit seinen großen Dachfenstern vollständig verloren. Im Zuge der Brandsanierung ergaben sich, womöglich aus statischen Gründen, kleinere Fenster. Die Marmortreppen und Fliesen in den Treppenhäusern sind im Haupthaus auch heute noch erhalten. Nach umfangreichen Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten in allen drei Gebäuden zu Beginn des 21. Jahrhunderts werden die Räumlichkeiten vielfältig genutzt. Aus dem Brandhaus in der Helenenstraße wurde bspw. ein reines Wohnhaus.

Das heutige Hotel Handelshof stammt aus dem Jahr 1911. Der Name führt auf die dortige Handelsstätte in der Nähe des heutigen Hauptbahnhofs zurück. Das Gebäude verfügt als Besonderheit über einen rund 100 qm großen und acht Meter hohen Lichthof mit großer Glaskuppel und vier noch immer in Betrieb befindliche Paternosteraufzüge für die Hotelgäste.

Das Carina-Baru-Haus an der Helenenstraße ist das einzige Kontorhaus Farnheims, das nach einer weiblichen Person benannt wurde. In diesem Fall nach der Gattin (1881-1954) des Kaufmanns Adolph Baru (1877-1948). Errichtet wurde der Komplex mit großem Innenhof in den Jahren 1920 bis 1922. Die Bausteinfassade besticht durch ihre geometrische Geradlinigkeit und Klarheit, aufgrund der zahlreichen weißen Fenster darin. Wie viele Gebäude aus jener Zeit, besitzt auch dieses Haus ein Staffelgeschoss, dass sich nach oben hin treppenartig verjüngt, um in den engen Straßen eine optische Ausweitung nach oben zu erreichen.

Das Australhaus wurde 1907 ebenfalls durch den Architekten Carl-August Loth (1877-1945) im Auftrag des Reeders Franz Sieveking am Kaiserkai 1 errichtet. Die Fassadengestaltung unterstreicht die überseeischen Handelsbeziehungen, ihre farbliche Ausarbeitung orientiert sich dabei an den Reedereifarben.

Aus dem Jahr 1923 ist das sechsstöckige Singher-Haus. Errichten ließ es der Juwelier und Goldschmied Jakob Heinrich Singher (1885-1977), der sich seinerzeit darin im Parterre einen fortschrittlich gestalteten Verkaufsraum, eine Werkstatt, Lagerflächen sowie einige Geschäftsräume einrichten ließ. Darüber fanden Bedienstete und die Familie ihre Wohnräume. In den 2000er Jahren wurde das Gebäude vollständig entkernt und mit dem rechten Nachbargebäude im Inneren zu einem Gebäude zusammengefasst und ausgebaut. In diesem Zuge erhielt das Singher-Haus auch einen modernen Dachausbau. Es ist heute ein Wohnhaus mit Einzelhandelsgeschäften im Parterre. Hier führt u.a. der Urenkel Markus Singher (1968-) das Juweliergeschäft in mittlerweile vierter Generation weiter fort.

Zwischen 1897 und 1899 entstand im Auftrag durch die Reederei Eduard Breckmann, die die Deutsche-Afrika-Linie (DAL) unterhielt, der Breckmannshof. Der spätklassizistische Bau wurde 1991 grundlegend umgebaut und aufgestockt. Der Farnheimer Künstler Ernst Lutteroth (1881-1958) installierte damals im Eingangsportal Bronzestatuen zweier lebensgroßer Elefanten, die die damalige geschäftliche Verbundenheit mit dem afrikanischen Kontinent symbolisiert.

1925 wurde das Cronstetten-Haus erbaut. Benannt nach dem Farnheimer Reeder Franz-Theodor Cronstetten (1886-1962). Ab Anfang der 1960er Jahre war es für viele Jahre ungenutzt und drohte zu verfallen. 1984 konnte es aber, danke eines Investors, umfangreich saniert werden. Seit Ende der Achziger Jahre beherbergt das stattliche Gebäude ein Hotel. Ein Hingucker ist die auffällige dunkelrot/beige gestreifte Fassadengestaltung.

Der Kaiserhof enstand 1912 im Auftrag von Carl-Richard Maesz (1863-1928), Betreiber des Handelskontors der kaiserlichen Handelsmarine. Es steht als Eckhaus in der Straße Hauswisch im heutigen Zentrum der Stadt. Es wurde in den ersten Jahren, bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges als Wollhandelshaus geführt. Nach dem Krieg zogen zahlreiche Unternehmen ein und aus. Ende 1990er Jahre kaufte schließlich die Warenhauskette Wellheim das Objekt, um es als separates Kaufhaus für Sportartikel zu nutzen. Jedoch seit Schließung des Hauses im Jahre 2022 steht es leer. Die Fassade in rotem Ziegelklinker ist eine stark vereinfachte barockisierte Pfeilerfassade.

Der Brandthof im Deepenbrook wurde in mehreren Bauabschnitten im Stil des Profanbaus errichtet. Der höchste und zugleich zentrale Gebäudeteil dieser Anlage misst 15 Etagen. Damit war es das höchste Gebäude in Farnheim zu jener Zeit. Heute ist es immerhin noch das höchste Kontorhaus der Stadt. Nutzer waren u.a. die Deutsche Invaliden Ersatzkasse sowie später das das Weltwirtschaftsarchiv. Benannt ist der Komplex durch den Gründer der Deutschen Invaliden Ersatzkasse Hermann Brandt (1878-1951). Als Besonderheit ist das Gebäude im Inneren vollständig im Art-Deco-Stil gehalten.

Das Schopensteelhaus wurde 1921 am Schwanentor erbaut. Es erfuhr seitdem immer wieder mehr oder weniger große Umbauten. Der größte war sicherlich der, als man 1928 eine Stahlkonstruktion in das Gebäude trieb, um es um drei weitere, auf insgesamt acht Etagen aufzustocken. Im zweiten Weltkrieg befand sich, wegen seiner exponierten Stellung im Stadtgebiet, darauf eine Flak-Stellung. Bei dem verheerenden 1000-Bomber-Angriff der Alliierten in der Nacht vom 13. auf 14. Juni 1944 wurde das Gebäude massiv beschädigt und brannte daraufhin vollständig aus. Das ursprünglich mit dunklen Ziegeln verklinkerte Objekt wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut, 2017 zu einem Hostel umgebaut und ist heute Kulturdenkmal. Es steht in räumlicher Nähe zum Hauptbahnhof am nördlichen Zugang zum westlichen Teil der Innenstadt.

Das Egidius-Priem-Haus ist ein großer Gebäudekomplex mit zwei großen Innenhöfen. Errichten ließ es der einflussreiche Reeder und Kaufmann Egidius Priem (1873-1942) nach den Plänen von Archtiekt Moritz Engelmann (1889-1953) im Jahr 1935, das nach heutigen Maßstäben als das letzte Kontorhaus klassischer Bauart in Farnheim gilt. Seit 1977 steht es unter Denkmalschutz.

Das Haus der Seefahrt, das 1911/12 ursprünglich als Mietkontorhaus erbaut wurde, beherbergte überwiegend Handels- und Reedereikontore. Nach dem Krieg zogen auch andere Branchen ein. Heute gehört das Haus der Seemannsmission Farnheim, die auf 40 Zimmern günstige Übernachtungsmöglichkeiten (nicht allein nur für Seeleute) bietet.

Das Unionhaus liegt in der Innenstadt an der Straße Dritte Meile/Ecke Delle und wurde 1897 durch die Architekten Wilhelm Jander (1871-1942) und Emil Puttfinger (1868-1940) errichtet. Auch in diesem Gebäude lassen sich die Etagen mit verschiebbaren Wänden frei einteilen. Fünf vertikale Fensterachsen mit hervorstehender dritter Mittelachse mit Kastenerker geben mit der aus Werkstein gefertigten Fassade in Kombination mit den heute dunklen Fensterrahmen und -einfassungen ein stimmiges Bild ab. Reiche Verzierungen an den Gesimsen verleihen der ansonsten recht klaren Formensprache der Fassade etwas Prunk. Ursprünglich hatte hier der Union-Verlag seine Redaktionsräume, die Setzerei und das Papierlager. Zu dem Verlagskomplex gehörte auch eine angeschlossene Druckerei, die in den 1980er Jahren abgerissen wurde. In den 1990er Jahren bekam das Dach des Hauses sein derzeitiges Erscheinungsbild. Heute wird das Gebäude vielseitig genutzt. In den unteren Etagen befinden sich Einzelhandels- und Dienstleistungsbetriebe sowie Gastronomie.

Das Kopmann-Haus wurde von 1923 bis 1925 erreichtet. Seine exponierte Lage am Jadefleet, am südlichen Zipfel des heutigen Westends, ermöglichten einen Anschluss an Wasserweg und Straße gleichzeitig. Es zählt zu den neueren Kontorhäusern der zwanziger Jahre und zum Baustil der neuen Sachlichkeit. Es handelt sich um ein siebengeschossiges Gebäude in Eisenbeton-Bauweise, dessen Fassade mit Ausenser Ziegeln verklinkert wurden. Solche Ziegel sind besonders widerständsfähig gegen äußere Umwelteinflüsse und haben eine tief rotbaune, fast schwarze Färbung und glänzen seidenmatt. Die Treppenhäuser sind reichhaltig mit dunklem Holz vertäfelt und maritime Schnitzereien zieren sämtliche Geländer der Treppenhäuser. Es wurde am 15. Februar 1973 in die Farnheimer Denkmalliste aufgenommen.

Das Kolumbienhaus aus dem Jahr 1928 bzw. 1929 befindet sich am unteren Deichtorwall und ist von der Jade aus gut zu sehen. Heute ist das Kontorhaus Sitz des Lebensmittelkonzerns „Deutsche Hochsee“. Der Grundriss macht das Objekt architektonisch sehr reizvoll. Es handelt sich hierbei um ein Terrassengebäude, dass in Richung Gebäudekern immer höher wird. Von oben betrachtet staffeln sich insgesamt sieben Gebäudesegmente, die zur Mitte hin immer breiter werden. Die Straßenseite, an der sich auch das Eingangsportal befindet, ist dabei noch üppiger gestaltet als die ohnehin schon sehenswerte Seeseite, denn die Fassade sowie das pyramidenhaft anmutende Dach sind vollständig mit NiRoSta verkleidet. Sonnenauf- und untergänge werden durch die Spiegelungen sehr effektvoll in Szene gesetzt, was es zu einem der beliebtesten Fotoobjekte Farnheims macht. Es wird dem Art-deco-Stil zugerechnet.

Das Amerikahaus am Deichtorwall 85-93 ist mit der markanteste und der zugleich bekannteste Kontorhauskomplex der Stadt. Markant deswegen, weil die Form des Komplexes einem Schiffskörper ähnelt. Wählt man einen Standort an der südlichen Spitze, so erscheint für den Betrachter die Fassade wie ein ebener Schiffsrumpf samt spitz zulaufendem Bug. Da durch diese sich bietende Perspektive die zahlreichen, vorstehenden Ziegelsäulen in der Fassadengestaltung die zurückspringenden Fenster optisch verschwinden lassen, entsteht der Eindruck einer geschlossenen Fläche, die an einen Schiffsrumpf erinnert. Erbaut wurde das Amerikahaus in der Zeit von 1915-1917 unter der Leitung des Architekten Carl-August Loth (1877-1945), der von Bauherr Hermann Theodor Graveley (1881-1958) dazu beauftragt wurde, ein imposantes Bauwerk zu erschaffen, dass alle übrigen Häuser überstrahlen sollte. Die Fassade wurde im Stil des Backsteinexpressionismus errichtet. Insgesamt befinden sich in dem Gebäudekomplex 1.162 Fenster.

Von der bebauten Fläche ist sind die Albertshöfe allerdings erheblich größer als die Fläche, die das Amerikahaus für sich beansprucht – nämlich mehr als doppelt so groß. Dieser Komplex entstand auf Basis des Siegerentwurfs des Architekten Fritz Halberstadt (1883-1948) in den Jahren 1913-1915. Er schuf auf dem Areal, das von den Straßen Uferpromenade, Deepenbrook und Albertshof eingefasst wird, einen großen Komplex, der ebenso dem Backsteinexpressionismus zugeordnet werden kann. Drei große Innenhöfe sorgen dafür, dass in sämtliche Gebäudeteile jederzeit ausreichend Tageslicht fallen kann. Ebenso ließen sich von den äußeren Innenhöfen aus die Waren per Lastenzug in die dafür vorgesehenen Etagen verladen. Die zur Verfügung gestandenen Büroflächen konzentrierten ausnahmslos um den zentralen Lichthof in der Gebäudemitte. Die übrigen Flächen standen der Warenlagerung zur Verfügung. Heute ist das Gebäude Sitz der GVF Holding (Gebäudeverwaltung Farnheim), die 983 Gebäude, darunter die Tonhalle, die Oper und die Börse sowie 3.144 überwiegend gewerbliche Mietverträge und 2.679 PKW-Stellplätze verwaltet.

Das Saalhaus der patriotischen Gesellschaft in der Jadestraße wurde zwischen 1899 und 1901 erbaut. Fritz Wegner zeichnete sich als Architekt verantwortlich und schuf einen für damalige Verhältnisse äußerst fortschrittlichen Baukörper mit bspw. einem Betonfundament und einer Zentralheizung auf allen Etagen. Die Fassade gestaltete er in Anlehnung an die Backsteingotik, die mit Fresken vieler Handwerksbereiche von Arthur Arens gestaltet und verziert wurde. Benannt ist das Haus nach der 1854 gegründeten Gesellschaft des Gemeinwohls und des bürgerlichen Zusammenhalts. Bis heute ist an dieser Adresse ihr gesellschaftlicher Sitz für ihre gemeinnützige Arbeit. Von 1907-1953 hatte dort die Farnheimer Bürgerschaft ihren Sitz. Säle in unterschiedlichen Größen können heute für Events, Meetings, Kongresse etc. angemietet werden.

Das Bankhaus Koopmann wurde 1911 durch die Beauftragung der Brüder Bruno & Gernot Koopmann erbaut. Der Farnheimer Architekt Rudolf Theeß (1885-1961) schuf einen üppigen Neorenaissancebau. Es liegt am Gänsemarkt, mitten in der heutigen Innenstadt. Die 1789 gegründete B. G. Koopmann & Co. ist die mittlerweile größte deutsche unabhängige Privatbank und hat bis heute hier ihren Stammsitz.

In den Jahren 1911-13 entstand in einer Eisenbetonkonstruktionsbauweise mit einer Kunstsandsteinfassade auf Plänen des Architekten Carl-Gustav Barre (1879-1947) das markante Warenhaus Farnheimer Hof an der Palisanderallee. In der Nähe des heutigen Hauptbahnhofs, am nördlichen Rand der Fußgängerzone gelegen, ist es bis heute auch als solches in Verwendung: seit 1975 ist dort das Sporthaus Bellenhagen untergebracht.

1909 errichtete man das Jadereederhaus an der Adresse am Umschlag 5-7. Ziel war es, sämtliche Reedereien Farnheims unter einem Dach zu vereinen. Dementsprechend großzügig hat man den Grundriss geplant. Der wachsende Einfluss der Heimatschutzbewegung fiel in eine Zeit umfassender Reformbemühungen, die 1907 in der Gründung des Deutschen Werkbundes kulminierten. Dadurch erfuhr auch der Kontorhausbau eine wesentliche Erweiterung seiner architektonischen Ausdrucksmöglichkeiten, die man hierbei um romantische, regional tradierte Elemente ergänzte.

Das Hansahaus, 1912 als Mietkontorhaus in Baumwerder an der Ecke Dienerreihe/Heuweg erbaut, wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört und erst 1955 durch einen Neubau an selber Stelle wiedererrichtet. In den 1970er Jahren hat man es zum Hotel aus- und umgebaut und beherbergt seitdem das Hotel Hansa.

Weitere hervorhebenswerte Kontorhäuser sind u. a. das Bekendorp-Haus, das Marquardt-Haus, der Prengsthof und die Seedler- sowie die Südseehöfe.